Dhammaregen-Newsletter Mai 2026
Neues rund um Dhammaregen und frühe buddhistische Texte
„Alles neu macht der Mai …“, so sagt das Sprichwort. Der heutige Dhammaregen-Newsletter nimmt das beim Wort und wartet mit einer großen Neuigkeit auf.
Wenn du diesen Newsletter lieber auf der Webseite liest, findest du ihn im Newsletter-Archiv.
In eigener Sache
Das Unvorstellbare ist wahr geworden! Zumindest ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, dass es einmal soweit sein würde … trotzdem habe ich angefangen. Ich habe Ajahn Brahm mehrfach sagen hören, um am Ziel anzukommen, brauche man bloß zwei Dinge zu tun:
Anfangen.
Nicht aufhören.
Er dachte dabei natürlich in erster Linie an das Ziel des Erwachens, aber es funktioniert offensichtlich auch für andere Dinge.
Mitte 2019 habe ich angefangen, die Suttas des frühen Palikanon zu übersetzen – und im April 2026 habe ich die letzte Zeile des letzten noch fehlenden Textes in der letzten noch unvollständigen Sammlung übersetzt. Und ich kann immer noch nicht glauben, dass das tatsächlich wahr ist!
Natürlich … nach der Übersetzung ist vor der Überarbeitung, und es liegt sicherlich noch genug Arbeit vor mir; vermutlich genug für den Rest meines Lebens, solange ich noch gesund genug bin, es zu tun.
Und natürlich ist all diese Arbeit auch Teil des eigentlichen und viel größeren Projekts, nämlich des Ziels, das Erwachens zu erreichen … 1. anfangen und 2. nicht aufhören! Dazu möchte ich euch alle von Herzen ermutigen! Mein Wunsch ist, dass meine Arbeit nicht nur mir selbst zu tieferen Einsichten in die Lehren des Buddha verhelfen konnte und weiter kann, sondern dass auch andere einen Nutzen davon haben!
Das Übersetzungsprojekt
Natürlich gab es bereits deutsche Übersetzungen all der Texte, die ich jetzt übersetzt habe. Aber dennoch denke ich, dass es Gründe gibt, die für eine neue Übersetzung sprechen:
Erstens verändert Sprache sich mit der Zeit, und was Lesern zur Zeit Karl Eugen Neumanns als klares und modernes Deutsch erschien, erscheint uns Heutigen oft seltsam und überholt, stellenweise sogar schwer verständlich. Auch die Bedeutung von Wörtern unterliegt Entwicklungen, und so kommt es vor, dass wir manche Begriffe der frühen Übersetzter heute falsch verstehen, da sie einen Bedeutungswandel erfahren haben oder gar nicht mehr gebräuchlich sind.
Ein weiterer Grund ist, dass die Zeit seit Neumann auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse gesehen hat und sieht. Funde alter Manuskripte etwa in verschiedenen indischen Sprachen wie Gāndhārī und anderen haben zu vergleichenden Textstudien beigetragen. Überhaupt steckte dieser Zweig der Buddhismuskunde vor 150 Jahren noch in seinen Anfängen; in jüngerer Zeit erfuhr er unter anderem durch den Ehrwürdigen Anālayo wesentliche Beiträge. Ein anderes Feld neuerer Entwicklung sind die zahlreichen Bezüge zwischen den Suttas und zeitgenössischen Texten anderer Religionen, besonders vedisch-brahmanischen und Jaina-Texten; ein Gebiet, dem sich zur Zeit neben anderen besonders Bhikkhu Sujato zugewandt hat. All diese Forschungstätigkeiten führen in manchen Punkten zu einem neuen und verbesserten Verständnis früher buddhistischer Texte, und das wirkt sich natürlich auch auf Übersetzungen aus.
Außerdem hatten wir im Deutschen noch nie eine Übersetzung des gesamten frühen Kanon in einer einheitlichen Terminologie. Das liegt natürlich in erster Linie an dem gewaltigen Umfang des Materials! Allein das von mir bearbeitete Projekt, das die späteren Teile des Kanon auslässt, umfasst ein Mehrfaches des Umfangs der Bibel. Heute ist es mithilfe einer ausgefeilten technischen Unterstützung möglich, so etwas innerhalb einer überschaubaren Zeit – oder sagen wir ruhig, einer Lebenszeit – zu bewältigen, aber das ist eine relativ neue Entwicklung.
So hoffe ich, dass ich in der mir verbleibenden Zeit das Projekt weiter verfeinern, vereinheitlichen und verbessern kann, sodass ich, auch wenn es sicher nie „perfekt“ sein wird, doch späteren Übersetzern eine Grundlage hinterlassen kann, auf der sie aufbauen können – wie auch ich auf der Arbeit derer aufgebaut habe, die vor mir kamen.
Umfang des Projekts
Dieses Projekt umfasst die folgenden Sammlungen:
Dīgha-Nikāya
Majjhima-Nikāya
Saṁyutta-Nikāya
Aṅguttara-Nikāya
Aus dem Khuddaka-Nikāya sind enthalten:
Khuddakapāṭha
Dhammapada
Udāna
Itivuttaka
Suttanipāta
Theragāthā
Therīgāthā
Es stützt sich stark auf Bhikkhu Sujatos englische Übersetzung der gleichen Texte. Sein Konzept einer leicht lesbaren zeitgenössischen Übersetzung in einer einheitlichen Terminologie wollte ich auch denjenigen meiner buddhistischen Freunde zugänglich machen, die kein Englisch verstehen. Natürlich berücksichtigt das Projekt auch andere deutsche und englische Übersetzungen zu Referenzzwecken.
Technisch wurde es mithilfe der von SuttaCentral entwickelten Übersetzungssoftware Bilara realisiert. Bilara ist auf die speziellen Bedürfnisse und Gegebenheiten der Texte des Palikanon zugeschnitten und erleichtert eine einheitliche Übersetzung über Sammlungen hinweg. (Es arbeitet nicht mit künstlicher Intelligenz.)
Beteiligte Personen
Ohne die folgenden Personen wäre dieses Projekt niemals möglich gewesen. Ihnen gilt mein allertiefster Dank:
Bhikkhu Sujato, Initiator der Webseite SuttaCentral, stellt seine Übersetzung frei von Copyright und unentgeltlich allen Interessierten zur Verfügung und lädt zudem andere Übersetzer ein, ihre Übersetzungen der frühen buddhistischen Texte in den Sprachen der Welt auf SuttaCentral zu veröffentlichen. Er ist ansprechbar und beantwortet Fragen und hat zudem zahlreiche Aufsätze verfasst, in denen er sein Verständnis und seine Begriffswahl ausführlich erläutert. Hinzu kommen in jüngster Zeit Anmerkungen zu den übersetzten Suttas im Einzelnen, in denen er vor allem die Bezüge zwischen religiösen Texten aus dem kulturellen Umfeld des Buddha und den buddhistischen Lehrreden herausstellt. Für das alles und noch viel mehr bin ich zu größtem Dank verpflichtet.
Karl Lew, Begründer und Hauptentwickler des Audioprojekts SC-Voice, von dem technisch gesehen auch Dhammaregen ein Ableger ist, hat mich vom ersten Gedanken an zu dem Übersetzungsprojekt ermutigt. Ohne ihn hätte ich vielleicht nie den Mut gefunden, damit anzufangen. Zudem hat er mir zu einer Zeit, als Bilara noch nicht entwickelt war, mit technischen Instrumenten und seinem umfangreichen Know-how sehr geholfen. Und mit seinem eigenen Projekt sorgt er dafür, dass man all diese Texte nicht nur lesen, sondern auch hören kann. Von Herzen vielen Dank!
Blake Walsh war der erste Entwickler der Übersetzungssoftware Bilara, die mittlerweile von SuttaCentrals Entwicklerteam weiterentwickelt wird. Sie ist eine unschätzbare Hilfe! Herzlichen Dank an alle, die daran beteiligt sind!
Für Korrekturlesen und anderweitige Rückmeldungen danke ich Annegret G., Beaver, Julia Grassl, Olivia Haas, Sabrina Reininger, Wolfgang Neufing und anderen aus unserer saarländischen Gesprächsgruppe sowie weiteren Personen, die ich hier nicht alle nennen kann. Jeder Beitrag, ob groß oder klein, ist hilfreich.
Und nicht zuletzt gilt mein Dank all denen, die dieses Projekt wohlwollend begleiten und mir moralische Unterstützung geben.
* * *
Mönche und Nonnen, diese vier Personen findet man in der Welt. Welche vier? Jemanden, der weder zum eigenen Nutzen übt noch zum Nutzen anderer; jemanden, der zum Nutzen anderer übt, aber nicht zum eigenen Nutzen; jemanden, der zum eigenen Nutzen übt, aber nicht zum Nutzen anderer; jemanden, der sowohl zum eigenen Nutzen übt als auch zum Nutzen anderer. … Die Person, die sowohl zum eigenen als auch zum Nutzen anderer übt, ist die vorderste, beste, oberste, höchste und vorzüglichste unter den Vieren. (AN 4.95)
Dieses Übersetzungsprojekt ist mir selbst von Anfang an von großem Nutzen gewesen. Wenn es das auch für andere sein kann, ist sein Zweck vollständig erfüllt!
🔸 Neu auf Dhammaregen
Seit dem letzten Newsletter wurden folgende Suttas hinzugefügt:
Snp 5.3, Snp 5.5-14, Snp 5.17-18; somit ist das Suttanipāta jetzt vollständig.
Ja 51-63
Übersicht über alle Übersetzungen
🔸 Sutta-Erkundungen
Die Sutta-Erkundungen sind ein monatliches Online-Format zum Studium der Suttas in einer Gruppe, das sich an die lectio divina aus der alten christlichen Klostertradition anlehnt. Das ermöglicht ein eher meditatives Herangehen an die Suttas. Die Sutta-Erkundungen finden jeden ersten Freitag im Monat statt.
Nächste Termine: 1. Mai, 5. Juni und 3. Juli 2026 jeweils 18:30 – 20:00 h MESZ.
Bei Interesse sende bitte eine E-Mail an dhammaregen@gmail.com. Du wirst dann eine Einladung mit den Zoom-Zugangsdaten erhalten.
🔸 Geleitete Meditation
Für die iSangha-Gruppe des Klosters Tilorien wird von Silashin Sabbamitta am zweiten Dienstag jeden Monats eine angeleitete Meditation in deutscher Sprache angeboten. Die nächsten Termine sind der 12. Mai und der 9. Juni 2026 von 18:00 bis 19:00 Uhr ME(S)Z. Bei Interesse sende bitte eine E-Mail an dhammaregen@gmail.com, damit du in den Verteiler aufgenommen werden und die Zoom-Zugangsdaten erhalten kannst.
🔸 Newsletter-Empfang
Wenn du in Zukunft unsere Nachrichten empfangen möchtest, melde dich mit einer formlosen E-Mail an dhammaregen@gmail.com zum Newsletter an oder abonniere Mehr von Dhammaregen direkt auf der Webseite. Wenn du die Nachrichten nicht mehr empfangen möchtest, sende eine E-Mail, um dich abzumelden, oder nutze die „Abmelden“-Schaltfläche in jeder Benachrichtigungs-E-Mail von Mehr von Dhammaregen.
Frühere Newsletter findest du im Newsletter-Archiv.


