Eine doppelte Doppelung – Jātakas 55 und 56
Übersetzung von „A doubling doubled: Jatakas 55 and 56“ von Bhikkhu Sujato, 2024
Die Jātakas 55 (Pañcāvudhajātaka) und 56 (Kañcanakkhandhajātaka) bieten uns irreführend einfache Verse an. Die beiden Strophen (von je sechs Zeilen) sind identisch bis auf den Schlüsselbegriff. Doch die Doppelung besteht nicht nur in der Wiederholung der Strophen, denn die Schlüsselbegriffe selbst sind als eine weitere Doppelung zu verstehen: durch die Geschichte, zu der sie ansonsten keinen Bezug haben, und durch die Doppeldeutigkeit der Wörter. Die Tatsache, dass beide Strophen nicht nur Wortspiele enthalten, sondern die gleiche Art von Spiel mit verschiedenen Wörtern wiederholen, zeigt die Raffinesse der bewussten literarischen Konstruktion des Dichters.
Ja 55 liest sich folgendermaßen:
Er, dessen Herz nicht feststeckt,
ein Mann, der im Geist nicht feststeckt,
entwickelt taugliche Eigenschaften
um des Refugiums vor dem Joch willen.
Allmählich würde er
die Auflösung aller Fesseln erreichen.
Das Meiste hiervon gehört zum Standard und ist aus der Poesie der frühen buddhistischen Texte vertraut. Und es hat keine ausdrückliche Verbindung mit der Geschichte, in der es darum geht, dass ein Prinz nach einer Prophezeiung bei seiner Geburt „Fünfwaffen“ genannt wird. Die Prophezeiung erfüllte sich, als er auf dem Heimweg von seinem Studium in Takkasilā in Gandhāra in einem Wald einem grimmigen Naturgeist (yakkha) begegnete und mit fünf Waffen gegen ihn kämpfte. Jeder Angriff ließ ihn fester im zottigen Fell des Unholds hängen bleiben. Der Unhold erkannte seinen Mut und ließ von ihm ab.
Die fünf Waffen sind Pfeil (sara), Schwert (khagga), Wurfspieß (kaṇaya), Hammer (muggara) und Lanze (kunta). Aber seine wahre Waffe ist der vajira („Diamant“ oder „Donnerkeil“), die Waffe der Erkenntnis.
Das Paliwort für das Hängenbleiben des Kriegers an dem yakkha ist allīna. Das kann man als eine Metapher für Gewalt lesen: Einer, der sich auf das Schwert verlässt, bleibt an das Kamma des Tötens „gebunden“ und wird genauso wie der, den er bekämpft.
Die Strophe hingegen spricht von einem, der „nicht festhängt“ (alīna), dem wahren Helden. Der Kommentar sagt, seine wirkliche Waffe sei die „Diamantwaffe“ (vajirāvudha) der Erkenntnis.
Für Pali-Studierende: Die Wörter haben die gleiche Wurzel mit verschiedenen Vorsilben. Alīna hat das verneinende a-, während allīna das verstärkende ā- hat.
Daher müssen wir in der ersten Schicht das „Nicht-Festhängen“ der Strophe mit dem „Festhängen“ der Geschichte in Einklang bringen.
Aber dann kommt die zweite Schicht, denn līna heißt auch „träge, erschöpft“, daher bedeutet das verneinende alīna „unerschrocken, unermüdlich“. Und es ist die Furchtlosigkeit des Helden angesichts des Todes, die der yakkha bemerkt und die ihn veranlasst, von ihm abzulassen.
Um also alīna in dieser Strophe zu verstehen, müssen wir sowohl die Geschichte als auch die beiden Bedeutungen „nicht festhängend“ und „unerschrocken“ in Betracht ziehen.
Wenn wir nun zu der zweiten Strophe (Ja 56) gehen, so ist diese identisch mit Ausnahme des Wortes pahaṭṭha, das alīna ersetzt.
Pahaṭṭha hat normalerweise die Bedeutung „freudig“ von der Wurzel √haṁs. Aber der Kommentar erklärt es vielmehr als Gold, das geschmiedet wurde (√ghaṁs), bis es schimmernd und strahlend ist.
Das stellt die Verbindung zur Geschichte her, welche von einem Goldklumpen berichtet, der so groß ist, dass er nicht zu gebrauchen ist, wenn er nicht in Stücke zerlegt wird. Die Moral ist, dass eine scheinbar überwältigende Aufgabe beherrschbar wird, wenn man sie aufteilt.
Das ergibt auch im Zusammenhang mit der Strophe mehr Sinn, da die Vorstellung, die Entwicklung des Geistes mit der Arbeit der Läuterung von Gold zu vergleichen, in den Suttas gut etabliert ist. Aber „freudig“ bleibt doch als nachgeordnete Bedeutung bestehen, da der Geist im Samādhi auch ein freudiger ist. Und natürlich ist der Mann, der das Gold entdeckt, froh, wenn er herausfindet, wie er davon Gebrauch machen kann.
So fügt auch hier, wie bei der vorangehenden Strophe, die Geschichte eine zusätzliche Bedeutungsschicht hinzu, und die Doppeldeutigkeit des Wortes noch eine weitere.
Natürlich löst die Vervielfältigung von doppelten Bedeutungen beim Übersetzer eine weitere Dualität aus: die Freude, die darin besteht, die Kunstfertigkeit wertzuschätzen, und der Kopfschmerz, den es bereitet, auszuklügeln, wie man das übersetzen soll!
Vielleicht kann ich mir noch eine weitere Doppelung zunutze machen: Die erste und die zweite Zeile in jeder Strophe besagen jeweils dieselbe Sache mit leicht unterschiedlichen Worten. Wir könnten die Hauptbedeutung in die erste Zeile setzen und dann in die zweite die nachgeordnete Bedeutung:
Er, dessen Herz nicht feststeckt,
ein Mann von unerschrockenem Geist,
Und dann:
Er, dessen Herz wohl geschmiedet ist,
ein Mann von freudigem Geist,


