Dhammaregen-Newsletter Juli 2026
Neues rund um Dhammaregen und frühe buddhistische Texte
Der heutige Dhammaregen-Newsletter geht einer Frage nach, die mir vor einiger Zeit gestellt wurde: Wo findet man eine Biografie des Buddha? Und er findet heraus, dass die Antwort deutlich komplexer ist als die Frage … Außerdem weist er auf die Arbeit von Pionieren des Buddhismus in Deutschland hin und stellt einen Text von Bhante Sujato in gedruckter Ausgabe vor.
Wenn du diesen Newsletter lieber auf der Webseite liest, findest du ihn im Newsletter-Archiv.
Buddhabiografie
Die Frage nach dem Leben des Buddha hat Buddhisten offenbar schon von frühester Zeit an beschäftigt, vor allem, sobald der Lehrer nicht mehr persönlich anwesend war. Da entstand das Bedürfnis, ihn wenigstens mittels Geschichten über sein Leben präsent zu halten. Das Mahāparinibbānasutta DN 16 ist wohl die älteste zusammenhängende Buddhabiografie, die sich aber auf die letzten Monate seines Lebens beschränkt. Dieser Bericht geht vermutlich auf Ānanda zurück.
Sein Gegenstück, das die Zeit vom Erwachen bis zur Etablierung des Ordens beschreibt, findet sich im ersten Khandhaka des Vinaya, ebenfalls als zusammenhängende Erzählung, in die verschiedene Rechtsakte des Vinaya eingestreut sind.
Der Buddha selbst hatte nie Interesse, seinen Lebenslauf zu erzählen. Er wollte den Dhamma lehren, das war seine Mission. Er hat Episoden aus seinem Leben erzählt, die mit seiner Suche und seinem Erwachen zu tun hatten, zu didaktischen Zwecken. Wir finden das in Lehrreden wie MN 26, MN 36 oder MN 85 und noch einigen anderen, mehr oder weniger ausführlich mit mehr oder weniger Einzelheiten. Wenn man auf Dhammaregen nach „vor meinem Erwachen“ sucht (und in den Einstellungen die Anzahl der Suchergebnisse auf 50 einstellt), kann man sie alle finden. Manche betreffen nur einzelne Aspekte, die bei seinem Erwachen eine Rolle spielten, andere geben einen größeren Überblick.
Die Lehrreden sind im Kanon nicht chronologisch geordnet, das macht das Zusammenstellen einer Biografie aus diesen Texten schwierig. Gelegentlich gibt es Hinweise, zu welchem (ungefähren) Zeitpunkt in der Lehrerlaufbahn des Buddha sich einzelne Episoden zugetragen haben, aber bei Weitem nicht überall. Mit anderen Worten: Einen zusammenhängenden Bericht über das Leben des Buddha kann man aus den frühen Texten nur mit einiger Mühe erhalten.
Es gibt einige klassische Buddhabiografien, die sich, je weiter die Zeit fortschreitet, von den frühen Texten immer mehr entfernen. Das zeigt sich darin, dass immer größere Zeiträume in die Biografie eingeschlossen werden, letztlich bis zu unvorstellbaren Ausmaßen von vielen, vielen Äonen an früheren Leben. Des Weiteren werden sie fantasievoll ausgeschmückt, und nicht zuletzt verliert der Buddha schließlich jede Ähnlichkeit mit einem menschlichen Wesen und nimmt gottähnliche Züge an.
Verschiedene moderne Autoren haben aus den verfügbaren Quellen Biografien zusammengestellt, darunter Dr. Julius Dutoit und Dr. Hellmuth Hecker für den deutschen Sprachraum und Bhikkhu Ñāṇamoli für den englischen.
Auf Mehr von Dhammaregen könnt ihr eine Zusammenstellung von Quellen zur Biografie des Buddha finden.
Buddhistische Pioniere
Vor Kurzem wurde ich auf eine Webseite aufmerksam, die ich wirklich beeindruckend finde und hier kurz vorstellen möchte. Sie wurde von Lothar Nestler erstellt, der darauf eine unglaubliche Menge an Materialien zusammengetragen hat. In erster Linie ist sie den umfangreichen Arbeiten von Paul Debes und dem von ihm begründeten Buddhistischen Seminar gewidmet; daneben enthält sie viele Informationen zur Geschichte des Buddhismus im Allgemeinen und in Deutschland im Besonderen und stellt zahlreiche Pioniere und eine Übersicht über ihre Arbeiten vor. Unter anderem findet man hier auch den vollständigen Text von Hellmuth Heckers Buddhabiografie zum Online-Lesen.
Paul Debes war ein Schüler des Ehrwürdigen Nyānatiloka Mahāthera und trug mit seiner umfangreichen Lehrtätigkeit von der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg bis zu seinem Tod 2004 viel zum Bekanntwerden des Buddhismus in Deutschland bei. Zu dem Kreis um ihn gehören bekannte Namen wie Fritz Schäfer und Hellmuth Hecker.
Besucht buddha-dhamma.de, um euch selbst ein Bild zu machen!
Früher Buddhismus und Theravāda
Dieser Text von Bhikkhu Sujato, der bereits in deutscher Übersetzung auf Mehr von Dhammaregen vorliegt, wurde jetzt vom Verlag Beyerlein & Steinschulte in gedruckter Ausgabe herausgegeben und kann ab sofort in der Dāna-Edition des Verlags bestellt werden.
Der Theravāda-Buddhismus, der in Süd- und Südostasien vorherrscht, wird oft als die Schule betrachtet, die am nächsten an den Lehren des historischen Buddha blieb. Nichtsdestotrotz ist es unvermeidlich, dass sich im Laufe von 2.500 Jahren Dinge verändern. Schließlich ist Unbeständigkeit der Eckpfeiler der Lehren des Buddha, und der Buddhismus macht da sicher keine Ausnahme. In manchen Fällen ist es möglich, durch sorgfältiges und kritisches Lesen der frühen buddhistischen Texte festzustellen, wo Veränderungen stattgefunden haben.
Bhikkhu Sujato hat sein Leben dem Studium und der Praxis der Lehren des frühen Buddhismus gewidmet. In diesem kleinen Büchlein fasst er eine breite Auswahl an interessanten Punkten in handlicher Form zusammen. Dies ist kein wissenschaftliches Werk, und es versucht nicht, alle diese Punkte im Einzelnen zu dokumentieren. Sein Anliegen ist vielmehr, Studierenden des frühen Buddhismus zu helfen, zu erkennen, wo Veränderungen stattgefunden haben, die Blickwinkel verschiedener Lehrer besser zu verstehen und sie auf dem Pfad der Befreiung sicherer zu leiten.
* * *
Der Newsletter schließt mit einer Strophe aus dem Itivuttaka, die den Buddha als großen Lehrer preist:
Der Klargewordene, voller Anteilnahme für alle Geschöpfe,
verschenkt großzügig die Lehre.
Die Lebewesen verehren ihn, den Ersten unter Göttern und Menschen,
der über die Wiedergeburt hinausgegangen ist.
Iti 100:7.1-4
🔸 Neu auf Dhammaregen
Seit dem letzten Newsletter wurde folgendes Studienblatt hinzugefügt:
Buddhabiografie: Zum Studienblatt
🔸 Übersetzungen
Eine Übersicht über alle Übersetzungen von Silashin Sabbamitta findet man hier.
🔸 Sutta-Erkundungen
Die Sutta-Erkundungen sind ein monatliches Online-Format zum Studium der Suttas in einer Gruppe, das sich an die lectio divina aus der alten christlichen Klostertradition anlehnt. Das ermöglicht ein eher meditatives Herangehen an die Suttas. Die Sutta-Erkundungen finden jeden ersten Freitag im Monat statt.
Nächste Termine: 3. Juli, 7. August und 4. September 2026 jeweils 18:30 – 20:00 h MESZ.
Bei Interesse senden Sie bitte eine E-Mail an dhammaregen@gmail.com. Sie werden dann eine Einladung mit den Zoom-Zugangsdaten erhalten.
🔸 Geleitete Meditation
Für die iSangha-Gruppe des Klosters Tilorien wird von Silashin Sabbamitta am zweiten Dienstag jeden Monats eine angeleitete Meditation in deutscher Sprache angeboten. Die nächsten Termine sind der 14. Juli und der 11. August 2026 von 18:00 bis 19:00 Uhr MESZ. Bei Interesse senden Sie bitte eine E-Mail an dhammaregen@gmail.com, damit Sie in den Verteiler aufgenommen werden und die Zoom-Zugangsdaten erhalten können.
🔸 Newsletter-Empfang
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