Dhammaregen-Newsletter März 2026
Neues rund um Dhammaregen und frühe buddhistische Texte
Der Dhammaregen-Newsletter greift das große Thema des abhängigen Entstehens erneut auf und beleuchtet einige weitere Facetten. Und er hat auch etwas zu feiern!
Wenn Sie diesen Newsletter lieber auf der Webseite lesen, finden Sie ihn im Newsletter-Archiv.
Das Lehren des abhängigen Entstehens
Der letzte Newsletter hat den Buddha dabei begleitet, wie er das abhängige Entstehen als den wesentlichen Erkenntnisschritt, der das Erwachen ermöglichte, entdeckte. Heute schauen wir ihm bei seinen nächsten Schritten über die Schulter.
Dieser Grundsatz, den ich entdeckt habe, ist tiefgründig, schwer zu sehen, schwer zu verstehen, friedvoll und erlesen, geht über den Rahmen der Logik hinaus, ist subtil, für den Klugen nachvollziehbar. Aber die Menschen mögen das Festhalten, sie lieben und genießen es. Es ist schwer für sie, diesen Gegenstand zu sehen: nämlich spezifische Bedingtheit, das abhängige Entstehen. Und es ist schwer für sie, diesen Gegenstand zu sehen: nämlich das Beruhigen aller Vorgänge, das Loslassen aller Bindungen, das Auflösen des Verlangens, das Schwinden, Aufhören, Erlöschen.
Diese Überlegung, die der Buddha nach seinem Erwachen anstellt, zeigt noch einmal, wie eng das Verstehen des abhängigen Entstehens mit dem Erwachen, dem „Erlöschen“ (nibbāna), verknüpft ist. Und gleich sein nächster Gedanke handelt von der Frage, wie es wohl wäre, wenn er diese seine neue Erkenntnis unter den Menschen lehren würde. Sein erster Impuls fällt eher pessimistisch aus: Die Menschen würden eine so radikale Lehre nicht hören wollen und könnten sie nicht verstehen.
SN 6.1 berichtet in einer bewegenden kleinen Geschichte, wie der Brahmāgott Sahampati es erreicht, dass der Buddha seine Meinung über das Verkünden der Lehre ändert. „Gott sei Dank!“, möchte man da sagen. 😇 Denn das abhängige Entstehen ist zwar wirklich tiefgründig, aber von denen, die „wenig Sand in den Augen haben“, kann es verstanden werden.
Lesen und hören Sie SN 6.1, das nach Bhante Sujatos Analyse eine der frühesten Lehrreden ist, die uns im Kanon überliefert sind.
Bedingung ist spezifisch, nicht beliebig
Das abhängige Entstehen wird manchmal so verstanden, als würde es einfach die universelle Verbundenheit aller Dinge beschreiben: „Alles ist miteinander verbunden.“ Das ist an sich keine Aussage, die der Lehre des Buddha zuwiderläuft, aber sie beschreibt nicht das abhängige Entstehen. Wie wir oben in dem Zitat aus SN 6.1 gesehen haben, handelt es sich beim abhängigen Entstehen um eine spezifische Bedingtheit.
In SN 12.20 erklärt der Buddha:
Und was ist abhängiges Entstehen? Wiedergeburt ist die Bedingung für Alter und Tod. Ob Klargewordene erscheinen oder nicht, dieses Naturgesetz besteht, diese Beständigkeit natürlicher Gesetzmäßigkeiten, diese Gewähr natürlicher Gesetzmäßigkeiten: spezifische Bedingtheit. Ein Klargewordener erwacht zu dieser und erfasst sie, dann erklärt er sie, lehrt sie, stellt sie fest, etabliert sie, stellt sie klar, gliedert sie auf und enthüllt sie.
‚Seht‘, sagt er, ‚Wiedergeburt ist die Bedingung für Alter und Tod‘.
Das heißt, ein spezifisches Ding ist die Bedingung für ein anderes spezifisches Ding. Und so geht es weiter durch alle zwölf Glieder.
Die Tatsache, dass das wirklich ist, nicht unwirklich, nicht anders; seine spezifische Bedingtheit: Das nennt man das abhängige Entstehen.
Lesen und hören Sie die gesamte Lehrrede SN 12.20.
Abhängiges Entstehen und Entwicklungspsychologie
In MN 38 und DN 15 finden wir das abhängige Entstehen über bestimmte Strecken nicht in der üblichen abstrakten Darstellung, sondern viel konkreter und lebendiger. In MN 38 werden die Faktoren von Bewusstsein bis hin zu Ergreifen anschaulich als die Entwicklung von der Empfängnis eines Kindes bis zum Erwachsenenalter dargestellt; danach kehrt die Darstellung wieder zur üblichen Sequenz des abhängigen Entstehens zurück.
Auch in DN 15 werden die Faktoren ab Bewusstsein in Form von Empfängnis, Geburt und Entwicklung eines Kindes beschrieben. Beide Texte betonen, dass dieser Entwicklungsprozess Gefahren unterworfen ist und unterbrochen werden kann, bevor er zur vollständigen Reife gelangt, etwa durch eine Fehlgeburt oder den Tod vor Erreichen des Erwachsenenalters.
In seinem Essay „Über abhängiges Entstehen, Ergreifen und Entwicklungspsychologie“ untersucht Bhikkhu Sujato die Implikationen dieser Tatsache für die moralische und kammische Verantwortlichkeit eines heranwachsenden Menschen und beschreibt dabei besonders die Rolle des Ergreifens als dem entscheidenden Faktor, der zu einem reifen, moralisch verantwortlichen erwachsenen Menschen gehört.
Und er schließt mit der Bemerkung, dass wir, die wir diesen Aufsatz lesen, das große Glück haben, diese Entwicklung bis zur Reife durchlaufen zu haben:
Wir sind diese Geschöpfe, diese Babys, diese kleinen Tiere, und wir hatten das Glück, es bis hierher zu schaffen. Wir können wählen, wie unsere Sicht der Welt gestaltet wird, und können unsere eigenen Entscheidungen treffen, die unsere Leben in der Zukunft gestalten oder uns ganz darüber hinaus tragen.
Lesen Sie Bhikkhu Sujatos Essay.
Majjhima-Nikāya vollständig übersetzt 🎉
Der Dhammaregen-Newsletter möchte heute mit Ihnen einen kleinen Meilenstein feiern: Im zurückliegenden Monat wurden die letzten Suttas der Mittleren Sammlung übersetzt, sodass auch diese Sammlung jetzt vollständig ist!
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Zum Schluss greift der Newsletter wieder auf das Thema von Bhikkhu Sujatos Essay zurück und schließt mit einer Strophe aus dem Itivuttaka:
„Verlangen ist eines Menschen Begleiter
bei diesem langen Umherwandern.
Von dieser Daseinsform geht er zu jener,
doch entkommt er dem Umherwandern nicht.Wenn er diese Gefahr erkennt,
dass Leiden durch Verlangen zustande kommt,
wandert ein Mönch achtsam,
ohne Verlangen, von Ergreifen frei.“
Iti 15:3.1.-4.4
🔸 Neu auf Dhammaregen
Seit dem letzten Newsletter wurden folgende Suttas hinzugefügt:
MN 110-112, 114, 117, 120-121, 123-127, 129-130, 137-138, 142, 148-152; damit ist die Mittlere Sammlung nun vollständig.
Ja 48-49
Snp 1.1, 1.3, 1.5-7, 1.9, 1.12, 2.3, 2.6, 2.9
Übersicht über alle Übersetzungen
🔸 Sutta-Erkundungen
Die Sutta-Erkundungen sind ein monatliches Online-Format zum Studium der Suttas in einer Gruppe, das sich an die lectio divina aus der alten christlichen Klostertradition anlehnt. Das ermöglicht ein eher meditatives Herangehen an die Suttas. Die Sutta-Erkundungen finden jeden ersten Freitag im Monat statt.
Nächste Termine: 6. März, 3. April und 1. Mai 2026 jeweils 18:30 – 20:00 h ME(S)Z.
Bei Interesse senden Sie bitte eine E-Mail an dhammaregen@gmail.com. Sie werden dann eine Einladung mit den Zoom-Zugangsdaten erhalten.
🔸 Geleitete Meditation
Für die iSangha-Gruppe des Klosters Tilorien wird von Silashin Sabbamitta am zweiten Dienstag jeden Monats eine angeleitete Meditation in deutscher Sprache angeboten. Die nächsten Termine sind der 10. März und der 14. April 2026 von 18:00 bis 19:00 Uhr ME(S)Z. Bei Interesse senden Sie bitte eine E-Mail an dhammaregen@gmail.com, damit Sie in den Verteiler aufgenommen werden und die Zoom-Zugangsdaten erhalten können.
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